ein neues Aquarium für südamerikanische Fransenschildkröten

A.Hoyer

Seit vielen Jahren interessiere ich mich für Chelus fimbriata, die südamerikanische Fransenschildkröte, auf Grund ihres außergewöhnlichen Aussehens und ihres Verhaltens, insbesondere beim Fressen. Bislang allerdings scheute ich mich diese Tiere zu halten, da ich keine verlässlichen Angaben dazu finden konnte. Ich halte diese Homepage eben deshalb für so wichtig, weil die im Internet veröffentlichten Informationen und Daten dadurch näher beleuchtet und geschriebener Unsinn bloßgestellt wird.

Vor einiger Zeit stellte H. Meier bei einem der monatlichen Treffen der DGHT-Regionalgruppe Nürnberg einen Reisebericht über Venezuela vor. Dabei ging er auch auf die aquaristische Haltung der Fransenschildkröte ein, die u.a. im dortigen Rio Orinoco heimisch ist und deren Lebensräume er auch erkundet hat.

Damit hatte ich einen kompetenten Halter dieser Art gefunden, der mir in der Folgezeit bereitwillig Rede und Antwort für meine unzähligen Fragen stand. Das Vorhaben, diese Tiere selbst zu pflegen, nahm zunehmend Gestalt an und ich plante eine adäquate Unterkunft in Form eines selbstgebauten Aquariums, das ich nachfolgend vorstellen möchte:

 

Der Platzbedarf eines oder mehrerer Tiere übersteigt die Maße der handelsüblich zu erwerbenden Aquarien. Ein Eigenbau war deshalb gefragt.

Die Aktivität der von H. Meier gepflegten Tiere in einem 10 m²-Becken hatte nichts mit dem vielfach in der spärlichen Literatur angegebenen Verhalten zu tun, wobei die Tiere die meiste Zeit nur an Ort und Stelle liegen sollen. Somit wirkt sich ausreichend Platz wohl auch auf die Aktivität der Tiere aus.

Fazit: Das Aquarium muss ordentlich groß werden.

Da ich über einen Kellerraum verfüge, der für mein Hobby, der Aqua- und Terraristik, reserviert ist, muss ich mir über die Statik keine allzu großen Gedanken machen. Ich maß eine Ecke des Raumes aus und legte die Größe fest.

320cm x 250cm sollen es werden. Mit einer etwas abgeschrägten Front zur Raummitte hin, um bessere Einsicht zu erhalten, ergeben sich damit ca. 7m² Grundfläche und je nach Wasserstand von bis zu 80cm ca. 5500 Ltr. Inhalt.

Die Eckdaten stehen fest, der Bau kann beginnen.

Zuerst brachte ich mit Steinen aus Porenbeton ausreichend viele 40cm hohe Stempel auf der Grundfläche aus, auf denen das Becken stehen sollte, um es bequem durch die Front einsehen zu können.

Da ich als „Hobby-Handwerker“ wenig Erfahrung in der Bearbeitung von Glas oder Metall habe und mir dazu auch die Werkzeuge fehlen, entschied ich mich, ein Holzaquarium zu bauen. Lediglich die drei Frontscheiben sollten aus Glas bestehen. Ich fertigte also den kompletten Korpus aus zwei Lagen 22mm starker OSB-Platten. Diese wurden mit Holzleim miteinander verleimt und zusätzlich verschraubt.

Ich habe einen Bodenablauf zur Leerung des Beckens eingebaut und an die Hauskanalisation angeschlossen. Dieser dient ebenso zur Vereinfachung der notwendigen Wasserwechsel und ist mit einem Kugelhahn (PVC) aus der Schwimmbadtechnik außerhalb des Beckens bedienbar. Ebenso wurde ein Überlaufrohr installiert, das durch seine Höhe im Becken den Wasserstand festlegt und wodurch der Filter gespeist wird.

Als Filter werde ich einen Gartenteich-Mehrkammerfilter mit ca. 400 Ltr. Volumen im Schwerkraftprinzip betreiben, d.h. es wird Wasser mit einer Pumpe vom Filter in das Aquarium gepumpt und läuft durch den Überlauf in den Filter zurück.

Um den Holzkorpus nun wasserdicht zu bekommen laminierte ich drei Schichten Glasfasermatten mit Polyesterharz darüber, so dass eine ca. 0,5cm starke, wasserdichte Beschichtung entstand. An die Front wurden zusätzlich L – Winkel aus Edelstahl für die Aufnahme der Glasscheiben geschraubt und ebenso wie der Bodenablauf und das Überlaufrohr einlaminiert.

Bei der Beschaffung der Glasscheiben kam mir zu Gute, dass meine Frau in einer Bank arbeitet. Beim Umbau einer der Filialen wurde auch das Kassenhäuschen abgebaut und die Panzerglasscheiben sollten entsorgt werden. Ich konnte diese abholen und für meine Zwecke verwenden. Allerdings wollten oder konnten mir „normale“ Glaser diese dreischichtigen Scheiben mit einer Gesamtdicke von 24mm nicht auf Maß schneiden, so dass ich die Hilfe eines metallverarbeitenden Betriebes in Anspruch nehmen musste. Hier wurden die Glasplatten mittels einer Wasserstrahl-Schneidemaschine auf die von mir gewünschte Größe geschnitten.

Das ist der aktuelle Stand meines Projektes.

 

Die nächsten Schritte sehen wie folgt aus:

  • Einkleben der Glasscheiben mit schwarzem Silikon
  • Installation des Filters und des Frischwasserzulaufs
  • Dichtheitsprüfung des Beckens durch eine Probefüllung
  • Einbau eines Landteiles für die erhoffte spätere Eiablage
  • Installation der Beleuchtung (vermutlich HQI/HCI-Strahler)
  • Gestaltung der Seiten- und Rückwand als bepflanzte Regenwaldlandschaft mit Bewässerung
  • Gestaltung und Strukturierung der Unterwasserlandschaft

 

Mittlerweile habe ich ein Männchen der Fransenschildkröte des Orinoko-Typs, das zur Abgabe stand, erworben und übergangsweise in einem 700 Ltr.-Aquarium untergebracht.

Aus diesem Grund hoffe ich, möglichst schnell das beschriebene Aquarium fertig stellen zu können um den Umzug und die Vergesellschaftung mit Seinesgleichen zu ermöglichen.

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