
Seit etwas über 10 Jahren halte ich nun ein adultes Paar Mata Matas der Orinoco-Form (Chelus orinocensis nach neuester Nomenklatur).
Das Weibchen legt seit 4 Jahren 1 Gelege im Jahr, leider bislang unbefruchtet.
Gefüttert habe ich die Tiere mit 200-250 Gr. Fisch wöchentlich, das etwas größere Weibchen mit tendenziell etwas mehr. Es wog im letzten Jahr 7600 Gramm bei 39cm CP-Länge.
Ende 2020 erhielt ich Futterfische, die ich wie auch die Male zuvor stichprobenartig verwogen habe. Ein durchschnittliches Gewicht von 110 Gr. war das Ergebnis. Die Fische habe ich dann eingefroren gelagert und jede Woche zur Fütterung 2 Stk./Tier aufgetaut.
Hierbei ist mir nach einiger Zeit ein gravierender Fehler unterlaufen:
Aus der „Charge“ zavor hatte ich auch noch eine größere Menge. Diese habe ich vorrangig verfüttert. Dies ist ja grundsätzlich nicht schlimm, nur wogen sie bei annähernd, gleicher Grüße mit 60 Gr. nur etwas mehr als die Hälfte des angenommenen Gewichts. Das hatte ich verdrängt.
Ich fütterte also über einen geraumen Zeitraum deutlich weniger als beabsichtigt!
Angefangen, darüber nachzudenken, habe ich, als bei sonst unveränderten Haltungsbedingungen, in diesem Jahr die jährliche Eiablage ausblieb.
Anstelle dessen zeigte sich das Weibchen dann öfter in einer „Schräglage“ und nach einigen Tagen mit deutlichem Auftrieb im Wasser.
Diese Situation erschien mir sehr bedenklich und ich fragte den befreundeten und langjahrigen Mata-Halter, Herbert Meier, nach seiner Meinung. Dieser zog Lungenprobleme in Betracht und empfahl mir, mich mit Dr. Markus Baur von der Reptilienauffangstation in München in Verbindung zu setzen.
Nach Schilderung der Symptome kamen für Dr. Baur drei mögliche Ursachen in Frage:
- Lungenprobleme
- Analblasenentzündung, verursacht durch ggf. Flagellaten
- Bakterielle Entzündung
Zur genaueren Beurteilung sollte ich ein Röntgenbild und anschließend einen Kloakenabstrich machen lassen.
Das Röntgenbild zeigte glücklicherweise keine Auffälligkeiten der Lunge.
Mit seiner Vermutung auf Flagellaten im Darm landete Dr. Baur einen Volltreffer. Diese wurden bei der Untersuchung nachgewiesen!
Auch die Behandlungsempfehlung von Dr. Baur mit Metronidazol, 250mg, 2x oral im Abstand von 10-14 Tagen zeigte schon wenige Tage nach der ersten Gabe deutlichen Erfolg. Bereits unmittelbar vor der zweiten Verabreichung des Medikamentes waren die Auffälligkeiten verschwunden.
Vielen Dank an dieser Stelle an Dr. Markus Baur für die fachkundige Hilfe.
Um auf das eigentliche Thema, der falschen Futtermenge, zurückzukommen, möchte ich noch Folgendes ergänzen:
Da ich das Tier sowieso für die vorgenannten Untersuchungen aus dem Becken nehmen musste, nutzte ich die Gelegenheit um es auch zu wiegen. Hierbei musste ich erschrocken einen Gewichtsverlust von 850 Gr. feststellen, den ich im Nachhinein auf die von mir falsch bestimmte Futtermenge zurückführe.
Möglicherweise und meiner Meinung nach wahrscheinlich ist dieser Gewichtsverlust auch ursächlich für das Ausbleiben der Eiablage. Ebenso könnte er durch Beeinträchtigung der Immunabwehr für die empfindliche Reaktion auf Parasiten verantwortlich gewesen sein.
Ich setzte zudem den Rat von Herbert Meier um, mein Wasserwechselintervall zu verkürzen. Ich wechsle derzeit zwischen 30 und 50% der Wassermenge spätestens alle 2 Wochen und kann mittlerweile sogar wieder Paarungsaktivitäten des Mata-Paares beobachten.
Zum Glück kann ich sagen, dass die beiden Tiere sich typisch und aktiv verhalten und einen hervorragenden Appetit haben. Damit sollte das verlorene Gewicht bald wieder aufgeholt sein.
Alex Hoyer
25.12.2021