– Kupfervergiftung an meinen ch.orinocensis?
Vermutlich hat nicht viel gefehlt und ich hätte meinen gesamten Bestand an Matamatas verloren. Tatsächlich hat es eines der älteren Jungtiere aus 2022 nicht überlebt.
Was war passiert?
Ich konnte ab Mitte Februar 2024 Auffälligkeiten im Fressverhalten meiner Tiere beobachten. Im Laufe einiger Wochen wurde immer weniger Futter angenommen. Die Aktivität der Tiere ließ merklich nach. Ab Mitte April lagen die Tiere nahezu gänzlich teilnahmslos in einer Ecke des Aquariums. Weibchen 2 stellt die Nahrungsaufnahme komplett ein.
Mit Reduzierung der Nahrungsaufnahme habe ich den wöchentlichen Wasserwechsel deutlich erhöht. Mind. 50% des Volumens wurden am Wochenende getauscht, weitere 500-1000 l täglich.
Mitte April wurde der Filter des großen Beckens gereinigt. Dabei musste ich feststellen, dass im Filterbecken keine Wasserschnecken mehr zu finden waren.
Wasserschnecken und Krebstiere reagieren empfindlich auf Schwermetalle im Wasser!
Gab es Veränderungen in der Haltung, im Futter etc. und vor allem welche?
Eine Vergiftung der Futterfische konnte ich ziemlich rasch ausschließen. Alex und ich besorgen unsere Fische seit einigen Jahren gemeinsam. Seine Tiere zeigten kein auffälliges Verhalten.
Ein erster Verdacht keimte:
Ich hatte Ende 2023 immer größer werdende Probleme bei der Erhaltung der Wassertemperaturin im Kreislauf der kleineren Becken. Eine Überprüfung des Wärmetauschers ergab, dass dieser inwendig verkalkt und weitestgehend verstopft war. Folglich war ein Tausch desselben notwendig. Zudem ist seit einem Wechsel des Heizungssystems die Vorlauftemperatur niedriger als ursprünglich. Die Wärmetauscher beider Filterkreisläufe waren also etwas knapp geworden.
Ich habe also einen neuen Wärmetauscher für das große Becken besorgt. Der alte WT des großen Beckens sollte für die kleineren Becken verwendet werden. Wie bereits vor 24 Jahren habe ich wieder zur Spirale gewickeltes Kupferrohr verwendet. Die aktive Oberfläche habe ich um etwa 55% vergrößert um zukünftig mit einer niedrigeren Vorlauftemperatur auszukommen.
Sollte eine Kupfervergiftung stattgefunden haben, so war diese wegen des häufigen Wasserwechsels nicht mehr nachzuweisen.
Am 26.04. habe ich aus Edelstahl-Wellrohr (1.4404) zwei neue Wärmetauscher gewickelt und eingebaut.
Zwischenzeitlich war ich am 24.04. mit Weibchen2 beim Tierarzt. Das Tier war inzwischen sichtbar abgemagert und ziemlich apathisch. Die Blutuntersuchung ergab keinen Hinweis auf eine Vergiftung. Die Leberwerte waren unauffällig. Auch eine Röntgenuntersuchung brachte keinerlei Hinweis. Die Entzündungswerte waren leicht erhöht. Das Tier bekam ein Breitband-Antibiotikum gespritzt.. Am 27.04. hat es erstmalig wieder eine kleine Rotfeder angenommen. Der Wasserwechsel wird wieder auf 2000-3000 l/Woche reduziert. Die Tiere erholen sich ab Mitte langsam, die Nahrungsaufnahme ist noch deutlich reduziert, aber alle Tiere fressen, wenn auch deutlich reduziert.
Ab dem 13.06.verschlechtert sich der Zustand eines Jungtieres aus 2/2022, am 16.06. verstirbt es. Die pathologische Untersuchung ergab keinen wirklichen Hinweis auf die Todesursache. Das Tier war abgemagert und ausgezehrt, was aber bei einer mehrmonatigen Nahrungsverweigerung nicht verwunderlich ist. In geringer Zahl waren Aeromonas ssp vorhanden, jedoch in nicht bedenklicher Konzentration. Eine nachfolgende toxikologische Untersuchung der Leber ergab einen Wert von 14mg/kgTS. Leider gibt es keinen echten Referenzwert. Der einzige Wert der mir vorliegt (Kopsch 2006) bezieht sich auf Sternotherus odoratus und gibt als durchschnittlichen Kupfergehalt in der Leber 12,1 mg/kgTS an. Die untersuchten Tiere waren entweder (krankheitsbedingt?) verstorben oder vom Tierarzt eingeschläfert. Inwieweit dieser Wert normal ist oder bereits toxisch, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Ergebnis der Blutuntersuchung sowie das der toxikologischen Untersuchung am Ende der Seite.
Im Becken waren neben den Matamata noch eine Podocnemis vogli sowie eine P. erythrocephala sowie 3 Goldfische mit 25 cm Länge und ein 8-jähriger Schuppenkarpfen mit knapp 80 cm. Die beiden Schildkröten zeigten kaum Symptome, sie wirkten etwas ruhiger als sonst, nahmen aber weiterhin Nahrung zu sich, während die Fische ebenfalls deutlich nahezu bewegungslos in den Ecken standen und Anfang Juni verstarben. Ebenso einige Antennenwelse (Ancistrus) waren nicht mehr auffindbar. Die zu Hunderten im Becken befindlichen Guppys zeigten keine Anzeichen. In den kleineren Becken mit eigenem Filterkreislauf sind unterschiedlich alte Matamatas sowie einige Chelodina rugosa, Ch. longicollis und ch. parkeri sowie emydura subglubosa. Mit Ausnahme der Matamata zeigten keine anderen Schildkröten irgendwelche Auffälligkeiten.
Mitte Juni begannen alle Tiere, aber insbesondere die adulten massiv zu häuten. Hautfetzen mit 50-150cm² waren nichts Besonderes. Innerhalb weniger Tage war eine komplette Häutung vollzogen, bereits 2-3 Wochen später folgte eine weitere, ebenfalls ziemlich starke Häutung. Erst ab Mitte Juli normalisierte sich das wieder. Auch die Futteraufnahme ist ab Mitte Juli wieder fast normal.
Seit Ende Juni werben die Männchen wieder um die Weibchen. Am 31.07. legt Weibchen 2 ordnungsgemäß 13 Eier im Landteil ab. Leider sollte sich herausstellen, dass alle Eier unbefruchtet waren.
Jetzt im Oktober sind alle Tiere wieder fit. Meine Fütterung der adulten erfolgt üblicherweise am Wochenende. Bereits ab Dienstag, spätestens Mittwoch kommen die Tiere zur Frontscheibe und hoffen auf Fisch. Die Männchen balzen heftig und zum Teil ziemlich aggressiv.
Fazit
Eine Kupfervergiftung konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden. Es deutet aus meiner Sicht sehr stark auf eine solche hin. Außer der Auswechslung des Wärmetauschers habe ich NICHTS an der Haltung verändert. Der Zustand der Tiere verschlechterte sich nach dem Einbau des Kupfer-Wärmetauschers über Wochen zusehends. Nach der Montage des Edelstahltauscher drehte sich das Ganze und die Tiere erholten sich langsam wieder.
Offen bleibt die Frage warum die Matamatas so empfindlich reagierten, während bei den anderen Schildkröten keine bzw. kaum eine Verhaltensveränderung auffällig war.
Literatur:
KOPSCH,G. (2006): Untersuchungen zur Körperzusammensetzung von Schildkröten – Inaugural-Dissertation zur Erlangeung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München 185 S.




