Chelus fimbriata und Wasserqualität

 

welchen Einfluss haben pH-Wert und Härte des Wassers?

Ich habe mich bisher nur wenig mit Wasserchemie befasst. Ein aktueller Kommentar veranlasst mich dieses nachzuholen.

Ich würde mich speziell bei diesem Thema über eine rege Diskussion und viele Kommentare  freuen.  

 

 

D.M. kommentierte zu Panzer-Nekrosen

Erst einmal möchte ich ihnen zu der sehr ausführlichen und hilfreichen Seite danken. Es ist wahrlich nicht allzu leicht, an ausreichend Material zur Haltung der Tiere zu kommen. Vor allem im deutschsprachigen Raum nicht.

Ich möchte Ihnen auf gar keinen Fall die Erfahrung absprechen, die Sie mit den Tieren gesammelt haben (tatsächlich übertrifft sie die meine um Weiten). Aber gestatten Sie mir diese kleine Anmerkung:

Vielleicht wäre es besser gewesen, das Werk von David Vogel nicht „achtlos“ zu Seite gelegt zu haben. Insbesondere wäre stattdessen eine genaue Lektüre des Kapitels angebracht gewesen, in dem es um das Thema PH-Wert und die damit verbundene Gesunderhaltung der Tiere geht. Meines Erachtens ist eine Osmoseanlage in der Haltung der Tiere eine unumgängliche Anschaffung, zumal es mit weichem Wasser gut möglich ist, den PH-Wert auf einen für die Tiere natürlichen Wert zu senken.
Ich persönlich verwende ausschließlich Osmosewasser, welches ich auf einen PH-Wert von ca. 5 einstelle.

Immer wieder finde ich Hinweise auf einen empfohlenen niedrigen pH-Wert bei gleichzeitig geringer Wasserhärte. Nirgends aber wird das Zustandekommen dieses Wertes hinterfragt. Welche Säuren in welcher Konzentration vorhanden sind scheint nicht zu interessieren.  Als Begründung für einen niedrigen pH-Wert im Aquarium wird deren Vorhandensein in tropischen, südamerikanischen Gewässern genannt. Leider häufig noch mit dem Verweis auf den Lebensraum Schwarzwasser mit Extremwerten bezüglich pH-Wert und Leitfähigkeit. Alles richtig, nur dass Matamata gar nicht oder nur sporadisch in Schwarzwasser lebt wird dabei in der Regel übersehen. Vielmehr bilden Klarwasser und Weisswasser den typischen Lebensraum für Chelus fimbriata.

Es ist richtig, dass die von Chelus fimbriata bewohnten Gewässer einen sehr niedrigen Leitwert von z.T. weniger als 50µS/cm bei einem pH-Wert von 5-6 aufweisen. Deren Einfluss auf den Schildkrötenorganismus ist nicht bekannt. Wenn doch, so entzieht er sich jedenfalls meiner Kenntnis.

In den gleichen Gewässern wo Matamata vorkommt findet man zudem verschiedene Schienenschildkröten (Podocnemis expansa, p.unifilis und p.vogli) . Alle 3 Arten lassen sich ohne Aufbereitung des Wassers und ohne Absenkung des pH-Wertes problemlos pflegen und züchten.

aus der Sicht des Technikers

Wie gesagt: ich habe mich bisher nur wenig mit Wasseraufbereitung beschäftigt und bin daher auf diesem Gebiet ziemlich jungfräulich. Als Techniker habe ich mich vielmehr auf die zur Aufbereitung notwendige Technik und deren Einsatzmöglichkeit konzentriert.

Wer aufmerksam mitgelesen hat, weiß, dass mein Becken ein Volumen von 6000 l aufweist, der Reihenfilter fasst nochmal knapp 1000l, in Summe ist also ein Volumen von 7000l aufzubereiten. Das zur Verfügung stehende Trinkwasser hat bei 13,9°dH einen pH-Wert von 7,6. Um „nur“ pH 6,5 bei einer KH von etwa 6°dH zu erreichen, benötige ich bereits knapp 5000l Wasser aus der Umkehrosmose-Anlage. Je nach Qualität der Anlage bedeutet das zusätzlich das 1,5- bis 3-fache an Abwasser. Um diese Werte halten zu können sind beim wöchentlichen Wasserwechsel mit 2000l jeweils ca. 1600l  Wasser aus der Umkehrosmose nötig. 1600 Liter/Woche lassen sich nicht mehr mit einer Aquarium-Umkehrosmose-Anlage realisieren.  Während eine „Aquarienanlage“ ab ca. 200-300.-€ zu haben ist, bedeutet der Kauf einer Industrieanlage einen Kostenaufwand von rund 10.000,-€ .

Ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt bei niedrigen pH-Werten ist die erhöhte Anforderung an die Korrosionsbeständigkeit von Metallen welche mit Wasser in Berührung kommen. Gleiches gilt für die eingeschränkte Tauglichkeit von Kunststoffen

Und so ganz nebenbei:                                                                                                                    Aus der Umkehrosmose kommt erst mal neutrales Wasser mit einem pH-Wert von ziemlich genau 7,0 je nach Qualität der Anlage. Erst durch Aufnahme von CO2 aus der Umgebungsluft reduziert sich der pH-Wert auf ca. 5,3. Karbonathärte und Gesamthärte gehen gegen Null – ein Effekt der so nicht gewünscht ist.

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3 Responses to Chelus fimbriata und Wasserqualität

  1. Avatar von D. M. D. M. sagt:

    Guten Tag und herzlichen Dank für die Reaktion auf meinen Beitrag, sowie den Diskussionsanstoß. Es freut mich, dass Sie mir die Anmerkung scheinbar nicht allzu übel genommen haben.

    Ich weiß natürlich um die rege Diskussion bezüglich des PH-Wertes bei der Haltung von „Matamata“ und bei einer Art, die ein so großes Verbreitungsgebiet bewohnt und die noch dazu so selten über einen langen Zeitraum in Gefangenschaft gehalten wird (ich rede natürlich nicht von Jungtieren, die in großen Zahlen als Wildfänge in den Handel kommen und dann bedauerlicherweise häufig schnell den Tod aufgrund falscher Haltung finden, sondern von großen Exemplaren, die über einen langen Zeitraum bei Haltern verbleiben) ist es wohl müßig, den „einen richtigen Weg“ kennen zu wollen oder gar dogmatisch zu sein. Das war nicht der Eindruck, den ich mit meinem Kommentar erwecken wollte.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass die Ursache für die gefürchteten Haut- und Panzerläsionen letztlich Keime sind, auf die – gut denkbar – gerade sehr alte Tiere, sowie Jungtiere dann umso empfindlicher reagieren.
    In einem sauren Milieu haben es schadhafte Keime deutlich schwerer, sich zu vermehren, was für die „niedrig-PH-Theorie“ spricht. Gut möglich, dass sich dies auch bei neutralem Wasser und häufigen Wasserwechseln realisieren lässt. Wahrscheinlich handelt es sich hier einfach um zwei verschiedene Haltungsansätze.
    Das die von Ihnen angesprochenen Schienenschildkröten keinerlei Probleme in „normalem Schildkrötenwasser“ zeigen, könnte einfach darauf zurückzuführen sein, dass diese Arten schlicht weniger empfindlich sind.

    Ich habe es in der Vergangenheit immer so gehalten, dass „im Zweifel für das Habitat“ entschieden wird, wenn Uneinigkeit und Unsicherheit über einen bestimmten Haltungsparameter einer Art bestanden.
    Diese Vorgehensweise erscheint mir logisch. Daher würde ich immer versuchen, den PH-Wert zumindest nicht über 6 steigen zu lassen. Von Extremwerten würde ich natürlich immer absehen, zumal diese ja auch im Habitat jahreszeitbedingt schwanken.

    Wie sehen Sie denn die Senkung des PH-Wertes mittels Salzsäure? Ich weiß, dass einige Halter dies praktizieren, nur wird in diesem Zusammenhang auch immer eine Aufsalzung stattfinden, die widerum von Anderen problematisiert wird.

    Herzliche Grüße

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    • Avatar von D. M. D. M. sagt:

      Einen Punkt hatte ich noch vergessen:

      Möglicherweise wäre bei Ihrer großen Anlage ja die Anschaffung eines UVC-Wasserklärers lohnenswert.
      Ich überlege derzeit auch, meinen wieder in Betrieb zu nehmen. Damit ließen sich wohl die Keime reduzieren und die sedimentgebundenen Bakterien im Filter, sollten davon nicht beeinträchtigt werden.

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    • Avatar von chelusfimbriata chelusfimbriata sagt:

      ich stimme zu, dass Keimreduzierung das allerwichtigste Kriterium zur Verhinderung von Nekrosen darstellt.
      Keimreduzierung durch Ansäuern des Wassers und einen daraus resultierenden niedrigen und fragwürdigen pH-Wert erreichen zu wollen sehe ich allerdings äußerst kritisch. – Ich würde NIE Säure, egal welcher Art ins Aqurium kippen! Wie von Ihnen richtig erkannt, findet lediglich eine Reduzierung des pH-Wertes statt. Der Mineral- und Salzgehalt des Wassers bleibt, bzw. steigt dabei sogar.

      „Ich habe es in der Vergangenheit immer so gehalten, dass „im Zweifel für das Habitat“ entschieden wird….“

      Die Gewässer in denen Matamata vorkommt weisen alle einen niedrigen pH-Wert auf, aber auch einen sehr niedrigen Leitwert von meist deutlich weniger als 50 µS/cm bei einer sehr niedrigen Gesamthärte. Warum also dann Säure ins Wasser geben?

      Wenn wir im Aquarium derartiges Wasser „nachbilden“ wollen kann das nur über Ionenaustauscher oder eine Umkehrosmose-Anlage geschehen.
      Auch in weichem und saurem Wasser werden unsere Tiere durch Ausscheidungen das Wasser verschmutzen und somit einen idealen Nährboden für Keime schaffen. Diese Keime zu entfernen funktioniert nur durch die Kombination eines leistungsstarken Filters mit regelmäßigem Wasserwechsel. Dass beim Filter dessen Wartung nicht vernachlässigt werden darf ist natürlich ebenso wichtig.
      UVC-Brenner entkeimen einerseits hervorragend – sie unterscheiden allerdings nicht nach Gut und Böse. Und: ich habe klares Wasser auch ohne UVC-Brenner.

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